Sie als Geschäftsführer in Krisenzeiten


Fühlen Sie sich gerade auch im Zwiespalt? Sie wissen nicht, wie Sie in Ihrer verantwortungsvollen Position adäquat auf das reagieren können, was gerade in der Welt geschieht, was Sie tun sollen oder vielleicht auch, was Sie gerne sagen würden? Ich verstehe Sie!

Die aktuelle Zeit lässt den Atem immer wieder stocken. Schon die letzten zwei Jahre haben Gesellschaft und Wirtschaft auf die Probe gestellt, doch das, was jetzt passiert, nimmt andere Ausmaße an. Für vieles, was in den letzten Jahrzehnten erreicht wurde, für jeden Einzelnen. Es ist allgegenwärtig. Diese Entwicklung macht etwas mit Ihren Mitarbeitern und beeinflusst daher auch Ihr Unternehmen. Was können Sie als Geschäftsführer also tun?

Wie in einer Blase

Vieles, was gerade passiert, kennen Sie und ich nur aus Erzählungen der Großeltern oder Eltern. Es fühlt sich an wie in einer Blase, ein Nebel oder ein dumpfer Schlag, wie etwas, das über Sie kommt, Sie einnimmt. Sie können es nicht fassen oder kontrollieren. Sie werden rundum konfrontiert mit den Geschehnissen. So nah ist vielen von uns Krieg noch nie gekommen. Diese vielleicht aus Erzählungen bekannte, doch neue Situation löst Gefühle wie Verunsicherung, Angst, Hilflosigkeit, Wut und Chaos aus. …Immer wieder Sprachlosigkeit mit vielen Fragezeichen. 

Jetzt geschäftliche Verpflichtungen verfolgen?

Diese Frage begleitet Sie sicher seit einigen Tagen. Und am liebsten hätten Sie eine Antwort, mit der Sie endlich wieder handlungsfähig und entscheidungsfreudig werden. Denn wie ist es vertretbar, in dieser Situation seinen geschäftlichen Verpflichtungen weiter nachzugehen? Was wird von Ihnen erwartet, welche Grenzen gibt es und wie sollten Sie sich auch in Ihrem Unternehmen positionieren?

Stagnieren oder weitermachen

Es lassen sich zwei grundlegende Reaktionen beobachten:

  • Es gibt diejenigen, die weitermachen, sich auf Fakten beziehen. Die Dinge ausblenden können, sich auf ihren nahen Wirkungskreis konzentrieren und wichtige Treiber für uns alle sind. Denn bei all dem was passiert, braucht es auch die Kontinuität und den Alltag.
  • Und es gibt die, die erstarren, selbst nicht weiter lebendig sein können und sich teilweise das eigene Arbeiten und Leben verbieten. Und manchmal auch großes Unverständnis gegenüber Menschen kundtun, die mit ihrem Leben weitermachen.

Auch in Ihrem Team gibt es diverse Reaktionen und ganz individuelle Umgangsformen. Klar ist, es entstehen viele Emotionen.

Raum geben

Nicht nur Ihre Mitarbeiter fühlen sich zerrissen, machtlos, sprachlos. Auch Sie tun es vielleicht. Deshalb ist es wichtig, dass Sie dem nicht verfallen, dass Sie sich mitteilen, dass Sie Emotionen wie Angst und Wut kommunizieren. Thematisieren Sie das, was eh bereits wie ein Geist im Raum ist.  

Als Team können Sie Möglichkeiten finden, mit der jetzigen Situationen umzugehen. Eine Übung bietet sich für das nächste Team-Meeting an:

Legen Sie ein Zeitfenster fest, bspw. 3 Minuten pro Person. Laden Sie jeden Teilnehmer ein, Gedanken und Gefühle zu dem, was ihn im Zusammenhang mit den derzeitigen Ereignissen beschäftigt, zu erzählen. Wichtig, …

  • es ist eine Einladung, keine Verpflichtung.
  • es geht darum über sich zu sprechen.
  • das sich Beziehen, Bewerten und Abwerten anderer Ausagen ist ein No-Go.
  • unterbinden Sie das Abdriften in politische Diskussionen.
  • betrauen Sie jemanden mit der Zeitkontrolle.
  • nehmen Sie sich danach noch eine Minute Zeit im Schweigen, das Gesagte und Gehörte in sich wirken zu lassen.

Warum? Wenn wir das unterdrücken oder ausblenden, was eh schon da ist, wird es mehr. So steigern sich unangenehme Gefühle in uns auf, nehmen immer mehr überhand und ziehen die Energie ab, die Sie eigentlich für Ihren Projekterfolg brauchen.

Noch eine Idee: Schließen Sie dieses Experiment ab, indem jeder 3 Dinge sagt, für die er dankbar ist.

Danach können Sie sich gemeinsam engagieren und Projekte suchen, in denen Sie etwas bewirken können.

Eine grundlegende Voraussetzung dafür ist, die eigene Mitte wiederzufinden, falls Sie sie verloren haben. Und diese zu halten. Sie sind eine starke Leitfigur. Sie müssen nicht alle Antworten kennen, aber Sie können weiter die Verantwortung für Ihr Unternehmen übernehmen, Halt ausstrahlen und als Vorbild für Ihre Mitarbeiter fungieren.

In Verbundenheit,
Gloria Potz