In der Chefetage kreativ Vertrauen schaffen


Dass Vertrauen ein Schlüsselfaktor erfolgreichen Managements ist, darf ich als vorhandenes Wissen unterstellen. Was jedoch genau dahintersteckt und wie zwei populäre Haltungen die Vertrauenskultur in Ihrem Unternehmen beeinflussen, möchte ich gemeinsam mit Ihnen untersuchen.

Keine Führungskraft kann ohne Mitarbeiter etwas bewirken – auch kein Mitarbeiter kann etwas ohne ihre Führungskraft bewirken. Fehlt das gegenseitige Vertrauen, ist es heute nahezu unmöglich zu performen. Und im Endeffekt kann auch das Unternehmen nicht erfolgreich sein. So viel steht fest. Haben Sie schon einmal analysiert, welchen Einfluss die Haltung des Einzelnen hat und ob es Entwicklungspotenzial in Ihren Reihen oder bei Ihnen selbst gibt?

Reaktiv vs. kreativ

Es gibt zwei verschiedene Haltungen, nach denen Menschen agieren können: reaktiv oder kreativ. Die reaktive Haltung sieht vor, dass Menschen zu negativen und destruktiven Verhaltensmustern neigen. Gefühle wie Enttäuschung, Angst, Wut und Zweifel treten ans Tageslicht und führen neben einem angriffslustigen Verhalten vermehrt auch zu Panik oder Überforderung. In dieser „Ohnmacht“ nimmt die Handlungsfähigkeit reaktiv Handelnder tendenziell ab und der Fokus ruht auf dem Problem. Aus dieser Situation heraus schnelle, praktikable und nachhaltige Lösungen zu finden, ist extrem schwierig, nahezu unmöglich.

Probleme in Potenziale wandeln

Was glauben Sie, steckt hinter der kreativen Haltung? Die kreative Herangehensweise spricht für Entspannung, Achtsamkeit, Optimismus, Neugierde und Selbstregulation. Weshalb Manager in dieser Haltung dazu neigen, Situationen aus der Meta-Perspektive zu betrachten. Diese Sichtweise legt den Grundstein für eine erhöhte Aufnahmefähigkeit, für mehr Verständnis und Offenheit. Von diesem Standpunkt aus agieren Menschen lösungsorientiert und können Probleme effektiv in neue Potenziale wandeln.

Auch lösungsorientierten Menschen passiert es, aus der kreativen Haltung zu rutschen. Das ist ganz normal.

Tipps, wie Sie sich schnell wieder in eine kreative Haltung bringen:

  • Atmen Sie tief durch, gewinnen Sie Abstand zur Situation und verschaffen Sie sich selbst neuen Fokus. Es kann sein, dass ein Ortswechsel Sie dabei unterstützt und in eine neue Grundeinstellung bringt.
  • Konzentrieren Sie sich auf die Kommunikation, tauschen Sie sich mit für Sie wichtigen Sparringspartnern aus. Der Blick von außen kann Ihnen viele neue Optionen aufzeigen und neue Energie für den Lösungsweg geben, selbst unter Zeitdruck.
  • Bleiben Sie allgemein in Bewegung – körperlich und geistig. Achtsamkeitsübungen, Sport und Meditation können Ihnen neue Räume zum Denken und Handeln ermöglichen und Sie wieder proaktiv werden lassen.

Stellung beziehen, Haltung zeigen

Was hat das alles mit Vertrauen zu tun? Nun haben wir zwei verschiedene Haltungen kennengelernt, die Sie selbst, andere CEOs oder Führungskräfte und Mitarbeiter täglich einnehmen. Die erste Haltung kann als Gegner einer Vertrauenskultur aufgefasst werden, wohingegen die zweite, die kreative Haltung als ein wichtiger Part fungiert.

In dem Modell der Vertrauensformel*, bei der sich Vertrauen aus Glaubwürdigkeit, Zuverlässigkeit und Vertrautheit geteilt durch Selbstbezogenheit zusammensetzt, spielt das kreative Verhalten vor allem für die drei Eigenschaften oberhalb des Bruchs eine entscheidende Rolle. Denn all diese Dinge können Sie nur erreichen, wenn Sie mit Situationen kreativ umgehen, authentisch und verlässlich sind, sich nicht verschließen und Räume offenhalten.

Risiko und Vertrauen

Ein weiterer Faktor, der sich m.E. in der heutigen Zeit im Nenner der Formel befindet, ist Risiko. Die schnelllebige, agile Geschäftswelt ist minütlich von Veränderungen durchdrungen: Abläufe, Prioritäten, Fluktuation, weitere personelle Entwicklungen etc. sind im steten Wandel. Das kann die drei Säulen von Vertrauen – Glaubwürdigkeit, Zuverlässigkeit und Vertrautheit – stark beeinflussen und schärft den Fokus auf Sie ungemein.

Ihr Management neu aufstellen

Wenn Sie die Vertrauenskultur in Ihrem Unternehmen fördern wollen, sollten Sie prüfen, wie glaubwürdig, zuverlässig, offen und Ich-bezogen Sie agieren – gegenüber Ihren Mitarbeitern und sich selbst. Und sollten Sie an einer dieser wichtigen Führungsstellschrauben etwas ändern wollen, liegt ein Schlüssel für die positive Beziehungsqualität und erfolgreiche Führungsperformance in der Entwicklung einer kreativen Haltung.

 

In ihrem Buch „The Trusted Advisor“ schlagen David Maister, Charles Green und Robert Galford eine Formel für Vertrauenswürdigkeit vor: Intensität der Vertrauenswürdigkeit = (Glaubwürdigkeit + Zuverlässigkeit + Vertrautheit)/Selbstorientierung